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Steuerpflicht, massgebender Umsatz, Beginn der Steuerpflicht, Anmeldung

Dies ist eine Kurzinfo. Detailliertere Angaben finden Sie u.a. in den MWST-Infos Steuerpflicht und Steuerobjekt.

Steuerpflicht

Sie haben den Sitz Ihrer Unternehmung im Inland:

  • Gehen Sie selbstständig einer beruflichen oder gewerblichen Tätigkeit nach?
  • Treten Sie unter eigenem Namen nach aussen auf?
  • Ist Ihr Unternehmen auf die nachhaltige Erzielung von Einnahmen aus Leistungen ausgerichtet?
  • Führen Sie einen nicht gewinnstrebigen, ehrenamtlichen Sport- oder Kulturverein und erzielen mindestens 150'000 Franken Umsatz aus steuerbaren Leistungen?
  • Gelten Sie als gemeinnützige Institution und erzielen mindestens 150'000 Franken Umsatz aus steuerbaren Leistungen?
  • Sind Sie eine Einrichtung des öffentlichen Rechts und erwirtschaften mindestens 25'000 Franken Umsatz aus steuerbaren Leistungen an Nichtgemeinwesen?
  • Erzielen Sie mindestens 100'000 Franken Umsatz aus steuerbaren Leistungen?
  • Organisieren Sie einen einmaligen Sport-, Kultur- oder Festanlass (Seenachtsfest, Dorffest, Jodlerfest, Pferdesporttage usw.) mit budgetierten, steuerbaren Einnahmen von mindestens 100'000 Franken aus gastgewerblichen Leistungen, Verkaufsständen für Lebensmittel, Werbung, Sponsoring usw.?
  • Beziehen Sie für mindestens 10'000 Franken der Bezugsteuer unterliegende Leistungen von Unternehmen mit Sitz im Ausland?

Bei einem Nein zu allen Punkten:
Sie sind nicht steuerpflichtig. Sind Sie zwar unternehmerisch tätig, erreichen die genannten Umsatzlimiten jedoch nicht, können sich unter gewissen Umständen freiwillig der Steuerpflicht unterstellen, siehe unter dem Titel "Verzicht auf die Befreiung von der Steuerpflicht".

Bei einem Ja zu einem oder mehreren Punkten:
Sie sind möglicherweise steuerpflichtig. Wir empfehlen Ihnen unbedingt, dies mit Hilfe des Fragebogens abzuklären; siehe dazu den Link auf der rechten Seite "Anmeldung". Stellt sich bei Ihnen die Frage, ob Sie ausschliesslich wegen der Bezugsteuer steuerpflichtig werden, bitten wir Sie, sich direkt mit der Abteilung Erhebung in Verbindung zu setzen.

Der Sitz Ihrer Unternehmung ist im Ausland:

Auch ausländische Unternehmen kommen für die Steuerpflicht im Inland in Frage. Sie müssen sich grundsätzlich die gleichen Fragen stellen wie schweizerische Unternehmen auch (siehe oben). Ausländische Unternehmen sind insbesondere dann von der Steuerpflicht befreit, wenn sie ausschliesslich der Bezugsteuer unterliegende Dienstleistungen erbringen.

Achtung: Unternehmen mit Sitz im Ausland, die bis Ende 2014 von der Steuerpflicht befreit waren, weil sie in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein ausschliesslich der Bezugsteuer unterliegende Lieferungen erbracht haben, sind ab dem 1. Januar 2015 steuerpflichtig, wenn sie in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein mindestens 100'000 Franken Umsatz pro Jahr erzielen. Dies betrifft insbesondere Unternehmen des Bauhaupt- und Baunebengewerbes. Nicht davon betroffen sind indessen ausländische Unternehmen, die ausschliesslich Elektrizität und Erdgas in Leitungen an steuerpflichtige Personen im Inland liefern. Solche Strom- und Gaslieferanten müssen sich nicht als steuerpflichtige Personen registrieren lassen.

Betriebsstätten ausländischer Unternehmen im Inland:
Für sie gelten dieselben Bestimmungen wie für ein Unternehmen im Inland. d.h. bei ihnen handelt es sich um eigenständige Steuersubjekte und sie werden - bei entsprechenden Umsätzen - steuerpflichtig. Verfügt ein ausländisches Unternehmen über mehrere inländische Betriebsstätten, gelten diese zusammen als ein einziges selbständiges Steuersubjekt.

Leistungen, die die Steuerpflicht auslösen

Für die Ermittlung der Umsatzlimite sind die Entgelte zu berücksichtigen, die mit folgenden Leistungen erzielt werden:

  • steuerbare Lieferungen und Dienstleistungen im Inland,
  • von der Steuer befreite Lieferungen und Dienstleistungen im Inland,
  • Lieferungen von Gegenständen vom Ausland ins Inland, sofern der Leistungserbringer im Zeitpunkt der Einfuhr über eine bewilligte Unterstellungserklärung (Form. Nr. 1236) verfügt.

Für die Ermittlung der Umsatzlimite sind folgende Entgelte und Geldflüsse nicht zu berücksichtigen:

  • Entgelte für von der Steuer ausgenommene Leistungen,
  • Entgelte für Lieferungen und Dienstleistungen im Ausland,
  • Einnahmen, die nicht aufgrund erbrachter Leistungen erzielt werden (sog. Nicht-Entgelte nach Art. 18 Abs. 2 MWSTG wie z.B. Spenden, Subventionen),
  • Einnahmen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit,
  • Umsätze, die nicht beruflicher oder gewerblicher Natur sind, bzw. denen die erforderliche Nachhaltigkeit fehlt.

Verzicht auf die Befreiung von der Steuerpflicht (freiwillige Steuerpflicht)

Sie erreichen die Umsatzgrenzen aus steuerbaren Leistungen gemäss Titel "Steuerpflicht" nicht. Sofern Sie ein Unternehmen betreiben, können Sie sich trotzdem als steuerpflichtige Person registrieren lassen.

Eine freiwillige Steuerpflicht ist jeweils auf Beginn einer laufenden Steuerperiode möglich.

Option für die Versteuerung von von der Steuer ausgenommenen Leistungen

  •  Sie erbringen nebst steuerbaren Leistungen auch solche, die von der Steuer ausgenommen sind und möchten der Einfachheit halber alle Umsätze mit der MWST abrechnen?
  • Sie erbringen ausschliesslich von der Steuer ausgenommene Leistungen. Sie möchten aber trotzdem steuerpflichtig werden?

 

Dies ist bis auf folgende Einschränkungen möglich:
Keine Option ist möglich für:

  • Versicherungs-/Rückversicherungsumsätze, einschliesslich der Umsätze als Versicherungsvertreter/in oder Versicherungsmakler/in (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 18 MWSTG),
  • diverse Umsätze im Bereich des Geld- und Kapitalverkehrs (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 19 MWSTG),
  • Umsätze bei Wetten, Lotterien und sonstigen Glücksspielen mit Geldeinsatz, soweit sie einer Sondersteuer oder sonstigen Abgabe unterliegen (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 23 MWSTG),
  • bei Unternehmen, welche mit Saldosteuersätzen/Pauschalsteuersätzen abrechnen.

Werden folgende Leistungen durch den Empfänger der Leistung ausschliesslich für private Zwecke - d.h. zur Nutzung für Wohnzwecke - verwendet, ist eine Option nicht möglich:

  •  Übertragungen und Bestellungen von dinglichen Rechten an Grundstücken (z.B. Verkauf eines Einfamilien- oder Mehrfamilienhauses zu Wohnzwecken) sowie Leistungen von Stockwerkeigentümergemeinschaften (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 20 MWSTG);
  • Überlassung von Grundstücken und Grundstücksteilen zum Gebrauch oder Nutzung (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 21 MWSTG), z.B. die Vermietung einer Wohnung zu Wohnzwecken an eine Privatperson.

Wie erfolgt eine Option?

  • Sobald Sie in Ihren Rechnungen oder Quittungen die MWST offen ausweisen (z.B. auf dem Billett für den Kinoeintritt wird der Steuersatz von 2.5% aufgeführt), haben Sie für die Versteuerung der von der Steuer ausgenommenen Leistungen optiert.

Beginn der Steuerpflicht

Die Steuerpflicht beginnt mit der Aufnahme der unternehmerischen Tätigkeit. Die Befreiung von der Steuerpflicht endet, sobald absehbar ist, dass die Umsatzgrenze von 100'000 Franken innerhalb von zwölf Monaten nach der Aufnahme oder Ausweitung der unternehmerischen Tätigkeit überschritten wird.

Nehmen Sie Ihre Tätigkeit neu auf oder erweitern Sie Ihre Geschäftstätigkeit durch Geschäftsübernahme oder Eröffnung eines neuen Betriebszweiges, endet die Befreiung von der Steuerpflicht mit der Aufnahme dieser Tätigkeit oder mit der Geschäftserweiterung, wenn zu diesem Zeitpunkt nach den Umständen anzunehmen ist, dass die Umsatzgrenze von 100'000 Franken innerhalb der nächsten zwölf Monate überschritten wird. Kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestimmt werden, ob Sie die Umsatzgrenze von 100'000 Franken überschreiten werden, müssen Sie spätestens nach Ablauf von drei Monaten seit Beginn oder Erweiterung der Geschäftstätigkeit eine erneute Beurteilung vornehmen.
Ist nach Ablauf dieser drei Monate anzunehmen, dass Sie die Umsatzgrenze überschreiten werden, endet Ihre Befreiung von der Steuerpflicht. Sie können daraufhin wählen, ob Sie rückwirkend mit der Aufnahme beziehungsweise der Erweiterung der Geschäftstätigkeit oder ab Beginn des vierten Monatssteuerpflichtig werden wollen. Dabei ist zu beachten, dass bei der Eintragung auf den vierten Monat des Geschäftsjahres bei der Einlageentsteuerung für diese drei Monate eine Abschreibung für ein ganzes Jahr vorzunehmen ist. Entscheiden Sie sich für eine rückwirkende Eintragung auf den Zeitpunkt der Aufnahme beziehungsweise der Erweiterung der Geschäftstätigkeit, so müssen Sie für die Berechnung der Einlageentsteuerung für diese drei Monate keine Abschreibung vornehmen. Die Steuer ist ab dem Zeitpunkt der Aufnahme beziehungsweise der Erweiterung der Geschäftstätigkeit abzurechnen.

Ist bei Aufnahme der Geschäftstätigkeit oder deren Erweiterung absehbar, dass Sie innerhalb der nächsten zwölf Monate die Umsatzgrenze überschreiten werden, müssen Sie sich unaufgefordert innert 30 Tagen bei der ESTV schriftlich anmelden.

Ende der Steuerpflicht/Wegfall der Bedingung für die Steuerpflicht

Die Steuerpflicht endet mit dem Ende der unternehmerischen Tätigkeit oder -  bei Vermögensliquidation -  mit dem Abschluss des Liquidationsverfahrens. In diesen beiden Fällen hat sich die steuerpflichtige Person innert 30 Tagen bei der ESTV schriftlich abzumelden.

Unterschreitet der massgebliche Umsatz der steuerpflichtigen Person die Umsatz-grenze von 100'000 Franken und ist zu erwarten, dass der massgebende Umsatz auch in der folgenden Steuerperiode nicht mehr erreicht wird, so kann sich die steuerpflichtige Person von der Steuerpflicht befreien und aus dem MWST-Register löschen lassen. Die Abmeldung ist frühestens auf das Ende der Steuerperiode möglich, in welcher der massgebende Umsatz erstmals nicht mehr erreicht worden ist; eine Nichtabmeldung gilt als Verzicht auf die Befrei-ung von der Steuerpflicht. Die Abmeldung erfolgt rechtzeitig, wenn diese der ESTV innert 60 Tagen nach Ende der Steuerperiode eingereicht wird. Zur Abmeldung siehe den Link auf der rechten Seite „Abmeldung".

Anmerkung zu den beiden Talschaften Samnaun und Sampuoir

Die Talschaften Samnaun und Sampuoir sind aus dem schweizerischen Zollgebiet ausgeschlossen und gelten im Zusammenhang mit Lieferungen von Gegenständen als Ausland. Somit sind Lieferungen nach bzw. in Samnaun und Sampuoir entweder von der Steuer befreit oder gelten als Lieferungen, die im Ausland erbracht werden.

In Bezug auf Dienstleistungen gelten sie hingegen als Inland, d.h. die erbrachten Dienstleistungen nach bzw. in Samnaun und Sampuoir (z.B. Leistungen im Hotel- und Gastgewerbe oder Beratungsleistungen) unterliegen dem Normalsatz.

Anmerkung zum Fürstentum Liechtenstein

Unternehmen, die im Fürstentum Liechtenstein ihren Sitz haben und steuerpflichtig werden, haben sich an folgende Adresse zu wenden:

Liechtensteinische Steuerverwaltung
Mehrwertsteuer
Postfach 684
Heiligkreuz 8
9490 Vaduz

info.stv@llv.li


Nachricht an Fachkontakt Mehrwertsteuer
Zuletzt aktualisiert am: 30.12.2014

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http://www.estv.admin.ch/mwst/themen/00154/00589/index.html?lang=de