Steuerpflicht, massgebender Umsatz, Beginn der Steuerpflicht, Anmeldung

Dies ist eine Kurzinfo. Detailliertere Angaben finden Sie u.a. in den MWST-Infos Steuerpflicht und Steuerobjekt.

Grundsätzliches zur Steuerpflicht

Ein Unternehmen mit Sitz im Inland ist grundsätzlich steuerpflichtig, wenn es:

  • selbstständig einer beruflichen oder gewerblichen Tätigkeit nachgeht,
  • unter eigenem Namen nach aussen auftritt und
  • auf die nachhaltige Erzielung von Einnahmen aus Leistungen ausgerichtet ist.

Wird dabei eine der nachfolgend genannten massgebenden Umsatzlimiten überschritten, empfehlen wir unbedingt, mit Hilfe des Fragebogens (Anmeldung) abzuklären, ob eine obligatorische Steuerpflicht vorliegt:

  • Für nicht-gewinnstrebige, ehrenamtlich geführte Sport- oder Kulturvereine: mindestens 150'000 Franken Umsatz aus Leistungen im In- und Ausland, die nicht von der Steuer ausgenommen sind;
  • für gemeinnützige Institutionen: mindestens 150'000 Franken Umsatz aus Leistungen im In- und Ausland, die nicht von der Steuer ausgenommen sind;
  • für Einrichtungen des öffentlichen Rechts: mindestens 100'000 Franken Umsatz aus steuerbaren Leistungen an Nichtgemeinwesen;
  • für bisher nicht genannte Unternehmen: mindestens 100'000 Franken Umsatz aus Leistungen im In- und Ausland, die nicht von der Steuer ausgenommen sind;
  • beim Organisieren eines einmaligen Sport-, Kultur- oder Festanlasses (Seenachtsfest, Dorffest, Jodlerfest, Pferdesporttage usw.) mit budgetierten, steuerbaren Einnahmen von mindestens 100'000 Franken aus gastgewerblichen Leistungen, Verkaufsständen für Lebensmittel, Werbung, Sponsoring usw..

Wird keine der massgebenden Umsatzlimiten erreicht, kann sich ein Unternehmen allenfalls freiwillig der Steuerpflicht unterstellen (siehe unter dem Titel "Verzicht auf die Befreiung von der Steuerpflicht"). 

Steuerpflicht von Unternehmen mit Sitz im Ausland:

Grundsätzlich gelten dieselben Voraussetzungen wie für inländische Unternehmen (siehe oben). Ausländische Unternehmen können jedoch nur dann steuerpflichtig werden, wenn sie Leistungen im Inland erbringen. Sie sind zudem von der Steuerpflicht befreit, wenn sie im Inland ausschliesslich bestimmte Leistungen (so zum Beispiel von der Steuer befreite Leistungen) erbringen. Sofern Leistungen im Inland erbracht werden empfehlen wir, den Fragebogen (Anmeldung) auszufüllen, um die Steuerpflicht des Unternehmens abzuklären. 

Betriebsstätten ausländischer Unternehmen im Inland:

Für sie gelten dieselben Bestimmungen wie für ein Unternehmen mit Sitz im Inland. d.h. bei ihnen handelt es sich um eigenständige Steuersubjekte und sie werden - bei entsprechenden Umsätzen - steuerpflichtig. Verfügt ein ausländisches Unternehmen über mehrere inländische Betriebsstätten, gelten diese zusammen als ein einziges selbständiges Steuersubjekt.

Leistungen, die die obligatorische Steuerpflicht auslösen

Für die Ermittlung der Umsatzlimite sind die Entgelte zu berücksichtigen, die mit folgenden Leistungen erzielt werden:

  • steuerbare Lieferungen und Dienstleistungen im Inland,
  • Lieferungen und Dienstleistungen im Ausland, sofern diese steuerbar wären, wenn sie im Inland erbracht worden wären,
  • von der Steuer befreite Lieferungen und Dienstleistungen im Inland.

Für die Ermittlung der Umsatzlimite sind folgende Entgelte und Geldflüsse nicht zu berücksichtigen:

  • Entgelte für von der Steuer ausgenommene Leistungen im Inland,
  • Entgelte für Lieferungen und Dienstleistungen im Ausland, welche von der Steuer ausgenommen wären, wenn sie im Inland erbracht worden wären,
  • Einnahmen, die nicht aufgrund erbrachter Leistungen erzielt werden (sog. Nicht-Entgelte nach Art. 18 Abs. 2 MWSTG wie z.B. Spenden, Subventionen),
  • im nicht-unternehmerischen Bereich erzielte Einnahmen.

Verzicht auf die Befreiung von der Steuerpflicht (freiwillige Steuerpflicht)

Werden die Umsatzgrenzen aus Leistungen, die nicht von der Steuer ausgenommen sind, gemäss Titel "Steuerpflicht" nicht erreicht, kann sich ein unternehmerisch tätiger Rechtsträger trotzdem als steuerpflichtige Person registrieren lassen. Bei ausländischen Unternehmen gilt dies nur, sofern sie Leistungen im Inland erbringen. 

Eine freiwillige Steuerpflicht ist jeweils frühestens auf Beginn einer laufenden Steuerperiode möglich.

Option für die Versteuerung von der Steuer ausgenommener Leistungen

Leistungen, die von der Steuer ausgenommen sind können grundsätzlich dennoch mit der Mehrwertsteuer abgerechnet werden (Option). Keine Option ist jedoch möglich:

  • für bestimmte Leistungen im Versicherungsbereich (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 18 MWSTG),
  • für diverse Umsätze im Bereich des Geld- und Kapitalverkehrs (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 19 MWSTG),
  • für Umsätze bei Wetten, Lotterien und sonstigen Glücksspielen mit Geldeinsatz, soweit sie einer Sondersteuer oder sonstigen Abgabe unterliegen (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 23
    MWSTG),
  • bei Unternehmen, welche mit Saldosteuersätzen/Pauschalsteuersätzen abrechnen.

Werden folgende Leistungen durch den Empfänger der Leistung ausschliesslich für Wohnzwecke verwendet, ist eine Option ebenfalls nicht möglich:

  • Übertragungen und Bestellungen von dinglichen Rechten an Grundstücken (z.B. Verkauf eines Einfamilien- oder Mehrfamilienhauses zu Wohnzwecken) sowie Leistungen von Stockwerkeigentümergemeinschaften (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 20 MWSTG),
  • Überlassung von Grundstücken und Grundstücksteilen zum Gebrauch oder Nutzung (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 21 MWSTG), z.B. die Vermietung einer Wohnung zu Wohnzwecken an eine Privatperson.

Wie erfolgt eine Option? 

Sobald auf Rechnungen oder Quittungen die MWST offen ausgewiesen (z.B. auf dem Billett für den Kinoeintritt wird der Steuersatz von 2.5% aufgeführt) oder in der Mehrwertsteuerabrechnung deklariert wird, wurde für die Versteuerung der von der Steuer ausgenommenen Leistungen optiert.

Beginn der freiwilligen Steuerpflicht

Die Steuerpflicht beginnt bei inländischen Unternehmen grundsätzlich mit der Aufnahme der unternehmerischen Tätigkeit. Bei ausländischen Unternehmen beginnt die Steuerpflicht mit dem erstmaligen Erbringen einer Leistung im Inland. Soweit das Unternehmen jedoch von der Steuerpflicht respektive von der Anmeldepflicht befreit ist, wird es nur auf Antrag im Mehrwertsteuerregister eingetragen. Bei inländischen Unternehmen kann der freiwillige Eintrag frühestens auf den Beginn der laufenden Steuerperiode erklärt werden. Bei ausländischen Unternehmen ist der freiwillige Eintrag frühestens auf den Zeitpunkt des erstmaligen Erbringens einer Leistung im Inland und nur innerhalb derselben Steuerperiode möglich.

Beginn der obligatorischen Steuerpflicht

Inländische Unternehmen, die ihre Tätigkeit neu aufnehmen oder die ihre Geschäftstätigkeit durch Geschäftsübernahme oder Eröffnung eines neuen Betriebszweiges ausweiten, werden mit der Aufnahme dieser Tätigkeit obligatorisch steuerpflichtig, wenn zu diesem Zeitpunkt nach den Umständen anzunehmen ist, dass die massgebende Umsatzgrenze innerhalb der folgenden zwölf Monate erreicht wird. Inländische bestehende Unternehmen, die bisher von der Steuerpflicht befreit waren, werden nach Ablauf des Geschäftsjahres, in welchem die massgebende Umsatzgrenze erreicht wird, obligatorisch steuerpflichtig. 

Ausländische Unternehmen, welche erstmals eine Leistung im Inland erbringen, werden zu diesem Zeitpunkt obligatorisch steuerpflichtig, sofern nach den Umständen anzunehmen ist, dass die massgebende Umsatzgrenze innerhalb der folgenden zwölf Monate erreicht wird. Ausländische Unternehmen, welche nicht erstmals eine Leistung im Inland erbringen, werden nach Ablauf des Geschäftsjahres obligatorisch steuerpflichtig, in dem die massgebende Umsatzgrenze erreicht wird.

Ende der Steuerpflicht

Die Steuerpflicht endet bei inländischen Unternehmen mit dem Ende der unternehmerischen Tätigkeit oder - bei Vermögensliquidation - mit dem Abschluss des Liquidationsverfahrens. Bei ausländischen Unternehmen endet die Steuerpflicht am Schluss des Kalenderjahres, in dem letztmals eine Leistung im Inland erbracht wird (dies ist dann der Fall, wenn bis zum Ende des Kalenderjahres keine weitere Inlandleistung erbracht wurde und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass auch im nächsten Kalenderjahr keine Inlandleistung erbracht wird). In diesen beiden Fällen hat sich die steuerpflichtige Person innert 30 Tagen bei der ESTV schriftlich abzumelden. 

Unterschreitet der massgebliche Umsatz der steuerpflichtigen Person die Umsatzgrenze von 100'000 Franken und ist zu erwarten, dass der massgebende Umsatz auch in der folgenden Steuerperiode nicht mehr erreicht wird, so kann sich die steuerpflichtige Person von der Steuerpflicht befreien und aus dem MWST-Register löschen lassen. Die Abmeldung ist frühestens auf das Ende der Steuerperiode möglich, in welcher der massgebende Umsatz erstmals nicht mehr erreicht worden ist; eine Nichtabmeldung gilt als Verzicht auf die Befreiung von der Steuerpflicht. Die Abmeldung erfolgt rechtzeitig, wenn diese der ESTV innert 60 Tagen nach Ende der Steuerperiode eingereicht wird.

Anmerkung zu den beiden Talschaften Samnaun und Sampuoir

Die Talschaften Samnaun und Sampuoir sind aus dem schweizerischen Zollgebiet ausgeschlossen und gelten im Zusammenhang mit Lieferungen von Gegenständen als Ausland. Somit sind Lieferungen nach bzw. in Samnaun und Sampuoir entweder von der Steuer befreit oder gelten als Lieferungen, die im Ausland erbracht werden. 

In Bezug auf Dienstleistungen gelten sie hingegen als Inland, d.h. die erbrachten Dienstleistungen nach bzw. in Samnaun und Sampuoir (z.B. Leistungen im Hotel- und Gastgewerbe oder Beratungsleistungen) sind steuerbar.

Anmerkung zum Fürstentum Liechtenstein

Unternehmen, die im Fürstentum Liechtenstein ihren Sitz haben und steuerpflichtig werden, haben sich an folgende Adresse zu wenden:

Liechtensteinische Steuerverwaltung
Mehrwertsteuer
Aeulestrasse 38
Postfach 684
9490 Vaduz

info.stv@llv.li


Letzte Änderung 01.05.2018

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